Sunday, September 6, 2015

Tailor Board und andere praktische Helfer aus Holz

Nun ist endlich mein Post da, auf den alle so gewartet haben.
Hier stelle ich mein Holzwerkzeug vor, ohne das ich nicht nähen kann.
Das ist diesmal wirklich wortwörtlich zu verstehen.
Das erste, worauf ich gezielt hinweisen möchte, ist dass mein Holzwerkzeug ist fast ausschließlich aus Buche besteht! Der Grund dafür ist:
-Buche entzieht Feuchtigkeit
-Buche ist schwer und hart im Vergleich zu den anderen Hölzern
Was man definitiv nicht verwenden darf sind die Hölzer, die Harz absondern.
Ebenfalls ungeeignet sind Spannplatten, Sperrholz und MDF.

Ich fange sofort mit dem Teil an, was alle mittlerweile kennen, das Tailor Board.
 Hier ist die Skizze zur Erklärung. Unten drunter könntet ihr euch die Skizze in besseren Qualität downloaden. Unten rechts steht, dass alle Kanten auf Phase1 mm geschnitten werden sollen. Alle Angaben sind in mm, was nicht passt wird passend gemacht!
Hier zeige ich, wie man es bequem zum Bügeln der Ellenbögen oder Ärmelkugeln ansetzt.
Ihr könntet euch dieses fantastisches kurze Video ansehen, um zu lernen, wie das Tailor-Board richtig eingesetzt wird.
Tailor's Board Skizze
How to Use a Tailor Board

Es ist wichtig, dass das Holz sehr glatt poliert wird. Es ist auch wünschenswert, dass möglichst keine Schrauben sichtbar/spürbar sind, sonst hinterlassen sie Abdrücke.
Mein Papa hat zwar Schraube verwendet, sie sind aber abgedeckt - somit ist die Oberfläche glatt.
Mein Tailor Board ist schon älter und das Holz ist zu weich. Mein nächstes wird aus Buche sein.
Beim Pressen muss ich deshalb noch zusätzlich Kraft aufwenden.

Mein zweites Werkzeug hat keinen Namen. Es ist ein Längsholz, gemacht aus dem alten Buche-Treppengeländer :-).
Es ist ca. 60 cm lang. Beide Enden sind abgeschrägt.
Es ist das Genialste, was ich habe. Meistens lege ich es auf eine Ärmelbügelhilfe.
Es wird bei geraden, langen Nähten an den Ärmel, Hosen, Röcken verwendet.
Auf diese Weise kann ich perfekt die Nähte bügeln, ohne dass ich Abdrücke der Nahtzugaben bekomme.
In der Arbeit sieht es ungefähr so aus:

Als drittes Holzwerkzeug möchte ich mein Stick- und Pressholz zeigen.

Wie genau ich das beim Sticken verwende, kann ich leider nicht verraten, dieses Wissen habe ich in einem Kurs erworben und fühle mich dazu einfach nicht berechtigt. Aber als Pressholz könnt ihr euch das wunderbar vorstellen. Es ist aus Buche und somit schwer und zieht sehr schnell die Feuchtigkeit des Wasserdampfs in sich ein. Genau so schnell trocknet es auch danach wieder.
Es ist natürlich nicht aus Vollholz gemacht sondern geleimt. Das sieht man ganz gut auf diesem Foto:

Mein viertes Hilfmittel ist aus Styropor :-)
Ich verwende das zum Formen von Cups und Rundungen.
Wie ich das mache, kann ich leider auch nicht genau verraten, weil die Technik der Frau Tatiana Kozorovitsky  gehört (vielleicht gibts dazu Videos auf Youtube?), aber ich kann zeigen, was es bringt.
Hier könnt ihr mein Korsett in der Arbeit OHNE Stäbchen sehen. Wenn es nicht zwischenzeitlich gerollt gelegen hätte, wäre die Form jetzt noch runder.

Und als letztes zeige ich  mein Handwerkzeug. Damit korrigiere ich meine Ecken. Es ist ebenfalls aus Buche. Früher hatte ich solche aus weicherem Holz, aber die Ecken verbogen sich sehr schnell.

Falls ihr noch Fragen zum o.g. habt, antworte ich gerne.

23 comments:

  1. Das ist wieder mal eine Erleuchtung... wie so oft hier! Leider ist mein Vater mittlerweile nicht mehr in der Lage, mir so etwas zu machen. Früher wäre er mit Begeisterung in die Werkstatt gerannt, um mich mit all diesen Sachen zu versorgen. Immer hat er mich nähtechnisch (und auch sonst im Leben) unterstützt....

    liebe Grüße von Ellen

    ReplyDelete
    Replies
    1. Liebe Ellen,
      Tailor Borad kann man ganz nirmal im Handel/übers Internet in England oder USA kaufen. es ist sogar sofort aus richtigem Holz(fühlt sich sogar auch super an und ist sehr schwer) und kostet etwa um die 60 Pfund.
      den rest kann mich überall bei Handwerkenden Männer bestellen- ist nicht so kompliziert.

      Delete
    2. Ich habe das Original Tailor Board hier gefunden, für 55 Euro. http://www.quiltzauberei.de/Zubehoer-Garne-Kurzwaren/Sonstiges-und-Geschenkartikel/Schneidermeister-Buegelhilfe-Kragenbuegelhilfe-2-in-1-Tailor-Board-Clapper-Holz.html

      Delete
  2. vielen Dank, das ist ja wirklich genial. Mein Mann für's Leben kann mir das sicherlich perfekt schreinern und drechseln, natürlich hätte ich diesbezüglich jede Menge Fragen, wenn ich darf, fange ich gleich mal mit zweien an:
    Verrätst du den Durchmesser deines Buchen-Längsholzes? Es hat eine gewisse Ähnlichkeit mit meinem Wellholz zum Backen, nur dass dieses rundum rund ist. Die Idee ist ganz große Klasse!
    Und deine Eckenausformer: sind das ganz unterschiedliche? Also ähnlich Zahnstocher, ganz rund und und halb rund?
    Vielen, vielen Dank für alles, was ich hier schon lernen durfte
    und lieben Gruß, Friederike

    ReplyDelete
    Replies
    1. hallo Friederike,
      aber :-) das Langholz ist 42 mm breit und 18 mm tief.
      wie ich schon sagte,mein Papa hat es beim vorbei gehen gefunden und mitgenommen. jemand hat sein haus renoviert und so ein schatz vergeshcmiessen- es war Treppengeländer Handlauf:-)
      die Massen sind nicht so wichtig denke ich. wichtig ist nur dass es lang und gerundet ist.
      Die eckenausformer sind 2 mal rund. das zwiete mal hat mein papa einfach so gemacht, weils holz übrig blieb, dass ich vielleicht jemand schenke:-) ich benutze nur 2 davon. 1 ist flach und das andere ist rund.
      die technische zeichnung vom 3D habe ich für papa damals selbst gemacht so wie es mir von proportionen gut schien.
      es ist auch nicht so wichtig.
      prym hat auch so einen kantoenformer (flachen) aus plastik. du kannst dir das als richtungslinie nehmen.
      hier kist nur wichtig,dass das holz hart ist. es kann auch eichenholz sein.
      alles ist dafür gut, was nciht wiech ist. sonst sind die spitzen shcnell kaputt und das werkzeug ist unbrauchbar.

      Delete
    2. P.S. Eckenausformer sind aus einem besenstiel gemacht worden:-)

      Delete
    3. du bist klasse, Danke!!!

      Delete
  3. Wunderbarer Beitrag! Danke! Es ist wirklich so, wie immer kommt es auf das richtige Martial an. Wie hier auf BUCHE!

    Wirklich schade, das mein Vater so früh verstarb.(vor 33 Jahre) er war Tischlermeister und hat Schlafzimmermöbel hergestellt.
    Meine liebe zu Holz könnte sicher Genetisch sein ;) Er hätte sicher mir auch so etwas schönes gebaut. Ein Lob ein Deinen Papa. Tolle und so präzise Arbeit. Schön, wie die Schrauben verdeckt wurden. ;) Ja ich sehe so etwas - die schöne liebevollen Details.

    Was ich wirklich sehr schade finde, ist, die Tatsache, dass es solche Qualität nicht (einfach) in Deutschland gibt. WARUM NUR? Nähen wir zu wenig, sind wir zu Reich um selbst zu nähen? Es gibt ja so viel uneigennütziges Zeug. Oder kenne ich die Quellen nicht :(

    ReplyDelete
    Replies
    1. Liebe Anita,
      im grunde kann dir jeder Tischler nach dem bild sowas nachbauen.
      den Tailorboard in einer super-qualität kannst du für 60 pfund in EN und USA kaufen.
      in deutschland gibts nur schlechte qualität vom Armbossen. die kleidung bleibt hängen, bekommt ziehfäden , sind zu gross und bieten nur 1 art der anwendung- grade strecken.Meine schülerin hat zurückgeschickt und bestellte ein wunderbares Tailor Board aus EN.

      um dich zu desillusionieren und beruhigen:-)
      solches werkzeug denken sich russen selbst aus, weil den etwas bei der arbeit fällt. sie machen sich gedanken,wie man problem lösen kann und machen es.
      Eckenausformer einer von beiden arten gibts aus plastik bei Prym.

      Delete
    2. Ja, das finde ich auch so großartig! Auch die ehemaligen DDR Bürger haben sich immer was einfallen lassen.
      Auch ich denke (versuche) ständig mir alternativen einfallen zu lassen. Kaufen kann jeder! Und es genau so ist es, wie Du schreibst, beim Arbeiten fallen einem die besten Ideen ein, oder man denkt für eine Lösung nach um ein Problem zu lösen. Klasse, wenn das mal mehr machen würden, würden wir auch weniger Plastik produzieren, was der Umwelt auch zu gute käme. LG Anita

      Delete
  4. Danke für den lehrreichen Post! Ja, ich habe schon drauf gewartet. Das sind wirklich tolle Hilfsmittel, man kann gut erkennen das sie wirklich nützlich sind. Mal schauen ob mein Mann das hinkriegt ;-)
    LG
    Christine

    ReplyDelete
  5. LIebe Julia,
    schon lange arbeite ich mit Buchenresthölzern aus der Restekiste vom Baumarkt und mein Nahtausbüglerholz ist ein alter stabiler Besenstiel. Ein selbstgemachtes Tailor Board habe ich schon lange geplant. Mein Schnittmuster dazu kommt aus Kanada und ist deinem sehr ähnlich. Jetzt sollte es doch mal was werden! Danke für die Beschreibungen. Schöne Woche Mema

    ReplyDelete
    Replies
    1. Liebe Mema, könntest du bitte deine Holzwerkzerugkiste mit verwendungsbeschreibung zeigen?
      hast mich neugierig gemacht,was du für resthölzer hast:-)

      Delete
  6. Danke für diesen Post. Ich merke schon, ich habe Nachholebedarf und es gibt einiges zu verbessern.
    Liebe Grüße
    Susan

    ReplyDelete
  7. Sehr informativ, vielen Dank. Ich besitze nur einen Bügelamboss, auf den ich allerdings inzwischen nicht mehr verzichten möchte. Aber so wie ich das Tailors Board verstehe, ist da der Bügelamboss mit drin. Diesen Besenstil als Bügelhilfe muss ich mir unbedingt noch besorgen.
    LG
    Siebensachen

    ReplyDelete
  8. Ist ja lustig, habe mir vor kurzem ein Tailorboard aus England bestellt, es aber noch nicht zusammen gesetzt. Jetzt sollte ich wohl endlich damit arbeiten. Besonders bei den Ärmeln fehlt es mir. LG Carola

    ReplyDelete
  9. Hui, ich staune gerade - und merke, ich stehe noch wahnsinnig am Anfang! Vielen Dank, ich lerne jedes Mal, wenn ich hier vorbei schaue!
    LG SuSe

    ReplyDelete
  10. Liebe Julia,
    das sind ja klasse Hilfsmittel. Danke für die Quellenangabe vom Tailor-Board, die habe ich mir gleich mal heruntergelanden. Eckausformer werde ich mir wahrscheinlich keine schnitzen, damit bin ich nicht so gut, aber das Board ist sicher ein gutes Winterprojekt für die Stichsäge. Gut, dass Du die Bedeutung des Materials erwähnst, sonst hätte ich möglicherweise ein Weichholz gewählt, Buche in der entsprechenden Qualität ist ja nicht so einfach zu kaufen, das muss ich wohl in die Holzhandlung gehen. Interessant finde ich, dass die Anleitung dafür, wie man das Tailor-Board benutzt, von Prym USA kommt. Warum machen die so etwas nicht für den deutschen Markt?
    Viele Grüße, Stefanie

    ReplyDelete
    Replies
    1. doch, die gibts es auch, man muss sie nur länger suchen:-)
      und viele profi-schneiderinen kennen es einfach nicht,wie meine erfahrung gezeigt hat:-) man benutzt nur das,was man kennt:-)

      Delete
  11. Hallo Julia!
    Danke fürs Vorstellen deiner Werkzeuge! Ich glaub, so ein Tailorboard muss ich mir auch zulegen :-). Ich bin ja mit meinem Kragenholz schon glücklich, aber mit diesem Werkzeug eröffnen sich ja gleich viel mehr Möglichkeiten!

    LG, Monika

    ReplyDelete
  12. Liebe Julia, ich habe einen schönen Buchenamboss aus D, den man hier bestellen kann: buegelamboss.de Für gerade Nähte oder Kragenecken ist er sehr gut, die Unterseite kann man auch als Clapper verwenden. Außerdem ganz neu ein Buchen-Tailerboard von Dritz, das man noch selbst zusammenschrauben muss (alles im Paket, mit separatem kleinerem Clapper) und einen gedrechselten Eckenausformer mit abgeschrägtem Ende von quiltzauber.de
    Liebe Grüße, SaSa

    ReplyDelete
    Replies
    1. oh, vielen lieben dank! das ist ja super!!! ich ahbe mal vor paar jahren da mein stoff gekauft, aber nicht weiter geguckt. sie haben so viel gutes zu bieten... ich bin begeistert!

      Delete
  13. Danke für den tollen Artikel. Ich habe das Original Tailor Board hier gefunden, für 55 Euro. http://www.quiltzauberei.de/Zubehoer-Garne-Kurzwaren/Sonstiges-und-Geschenkartikel/Schneidermeister-Buegelhilfe-Kragenbuegelhilfe-2-in-1-Tailor-Board-Clapper-Holz.html

    ReplyDelete