Friday, May 18, 2012

Etui - Kleid als Übung

Damit es nicht trocken, langweilig und noch dazu zu theoretisch wird, können wir eine Übung machen mit einem Kleid, was jede Frau in der Garderobe braucht- ein Etui-Kleid.
Das Modell stamm aus Ausgabe Mrs.Stylebook  07 /2010.


Wir fangen mit der Vorbereitung der Grundschnittes an.
Rückenteil
1. Am hinteren Halsausschnitt 5 cm abmessen und einen Punkt setzen. Diesen Punkt mit dem Ende des Schulterabnäher verbinden und schneiden. Den Schulterabnäher somit in den Rücken verlagern.

2.Von der Spitze des Abnähers "d" horizontal zum Armloch anschneiden. Abnäher "d" schließen.

Vorderteil
1. Die Brustabnäherbreite wird in 4 gleiche Stücke aufgeteilt. Der Halsauschnitt wird in 2 gleiche Hälften geteilt.
Von diesem Punkt  wird zum Punkt BP angeschnitten. Der Brustabnäher wird geschlossen, und zwar so, dass  3/4 der Strecke des Brustabnähers sich unten an der Taillenlinie öffnen und 1/4  der Strecke am Hals.

2. Abnäher "b" wird geschlossen.

Jetzt kommen wir zur Konstruktion.
Die  Länge des Kleides wurde mit 68cm ab der Taille gewählt. Der Schlitz ist 29cm lang.

1. Vom Halsausschnitt der hinteren Mitte 1.5 cm nach unten abtragen und im Bereich der Schulter 6.5cm und 4 cm für den Träger abtragen. Mit einer Spline-Linie die neue Halsausschnittlinie zeichnen.
2. Die Strecke "Schnittpunkte Schulterabnäher-neue Halsausschnittlinie" wird halbiert. Der Mittelpunkt der Strecke wird mit dem Endpunkt des Abnähers "e" verbunden.Von oben wird das Maß 11cm abgetragen, das ist die Tiefe unseres Schulterannähers. Diesen Punkt mit den Schnittpunkten am Halsausschnitt verbinden und den Abnäher zeichnen.
3. Von der Taillenlinie nach oben 4 cm abmessen und eine parallele Linie zeichnen. Das ist jetzt die neue Taillenlinie.
Auf dieser Linie von der Rückenmitte 1 cm abtragen.
4. Den Besatz der Linie zeichnen: Auf der Seitenlinie vom Armloch Richtung Taillenlinie 3cm abmessen und von der Halsausschnittlinie 7 cm abmessen. Diese Punkte  mit Spline-Linie verbinden.
5. Die Besatzlinie vom Halsausschnitt mit dem Punkt 1cm von Rückenmitte an der Taillenmitte verbinden.
6. Unsere Hüftlinie legen wir fest  (jeder muß sein Maß nehmen). Von der ursprünglichen Taillenlinie 18.5 cm nach unten messen und  die Linie HL(Hipline) zeichnen.Von der Hinteren Mitte nach rechts das Maß abtragen H/4 (Hüftmaß/4), den seitlichen Hüftpunkt markieren und nach unten die Vertikale bis zur Kreuzung mit einer Saumlinie (von der ursprünglichen Taillenlinie 68 cm) führen. 1 cm nach innen messen und mit dem Hüftpunkt verbinden. Die Seitenlinie ist fertig.
7. Von der Rückenmitte ab der Hüftlinie 3 cm messen, markieren und diesen Punkt mit unserem 1cm Punkt mit der neuen Taillenlinie verbinden.
8. Vom rechten Abnäherpunkt an der Taille 1 cm nach rechts abtragen. Die Strecke (linker Abnäherpunkt-neuer Punkt) halbieren und eine senkrechte Linie mit 19.5cm nach unten zeichnen. Von dem Endpunkt nach rechts 1 cm abtragen und mit dem neuen Punkt (rechts vom Abnäher) verbinden. Ebenso  verbinden wir mit dem linken Punkt "e" vom Abnäher .
9. Die neue Taillenlinie waagerecht gerade so führen, dass sie sich mit unserer Konstruktion überschneidet. Vom Schnittpunkt 1 cm nach oben abtragen.
10. Die Strecke vom rechten Endpunkt des Abnähers "e" und dem Seitenpunkt messen und das Maß auf auf Tailenlinie ab Abnäherpunkt des Unterteils  übertragen (das ist mit schwarzem durchstrichenem Kreis markiert). Beide Strecken müssen gleich sein.
11. Der Schlitz wird mit 3 cm breit und 29 cm lang gezeichnet. Ich würde für die Breite 6 cm nehmen, um doppelt  umzuschlagen zu können.

Das Vorderteil wird ähnlich wie der Rückenteil konstruiert.
1. Auf der Vordermitte 2.5 cm nach unten abtragen und den Punkt für den Halsausschnitt vorne markieren.
Von diesem Punkt  4 cm nach unten für den Besatz.
2. Vom Halsausschnitt auf der Schulterlinie zuerst 6.5cm abtragen und dann noch mal 4 cm für den Träger.
3.  Vom BP-Punkt Richtung den obere Brustabnäher 7.5cm abtragen und den Punkt als Endpunkt des Anbnähers markieren.
4. Von der Taille nach unten 68cm abtragen und die Saum Linie zeichnen.
5. Von der Taillenlinie nach oben 4 cm abmessen und parallel die neue Taillenlinie zeichnen.
6. An der Seitenlinie mit dem Abstand 1 cm eine neue Seitenlinie zeichnen.
7. Vom Armloch 3 cm an der Seitenlinie nach unten messen und den Punkt für den Besatz markieren. Beide Besatzpunkte miteinander mit einer Spline verbinden.
8. Auf der neuen Taillenlinie von der neuen Seitenlinie nach innen nochmal 1cm abtragen  und beide Endpunkte der Seitenlinie verbinden.
9. Auf der Taillenlinie vom unteren Brustabnäher den rechten Schenkel mit 0.5cm Richtung Vorderteilmitte abtragen und den Punkt markieren. 3cm nach links für den Rockabnäher messen und markieren. Nochmal vom rechten Punkt des Abnähers 19 cm vertikal  nach unten zeichnen und vom Endpunkt der Linie 1 cm nach links messen und markieren. Das ist der Endpunkt vom Vorderabnäher des Rockes. Diesen Endpunkt  mit markierten Punkten des Abnähers an der Taille verbinden.
10. Den Brustabnäher vom BP-Punkt um 2 cm kürzer machen.
11. Die Strecke vom Brustabnäher bis zur Seite an dem Vorderteil  abmessen und auf den Rock übertragen. An der Seitelinie des Rockes 1 cm nach oben markieren und mit einer Linie zum Abnäher verbinden.
12. Von der Taille vertikal nach unten wieder mal die HL-linie zeichnen (bei mir 18.5 cm).Von der Vordermitte das Maß H/4+1+1 abtragen. Den Punkt mit dem Taillenpunkt mit einer Spline-Linie verbinden und nach unten vertikal bis zur Saumlinie zeichnen. Vom Schnittpunkt die Seitenlinie-Saumlinie nach rechts 1 cm abtragen und mit dem HL-Punkt verbinden.

Besätze

Die Besätze von Vorder- und Rückenteilen abzeichnen, dabei alle Abnäher schließen.
Hier habe ich die Anleitung zusammengefasst.

Sollte irgendewas nicht klar sein, so könnt ihr mir gerne Fragen stellen.

Monday, May 14, 2012

Japanische Basis Konstruktion Teil 1

Man unterscheidet bei der japansichen Konstruktion 2 Basiskonstruktionen.Die Erste, die ich erklären werde ist eine moderne Basis und liegt zu Grunde aller figurbetonten Oberteilen. Sie hat viele Abnäher.


Die Zweite ist die traditionelle Basis, die zu Grunde aller locker sitzenden Oberteilen, ebenso Jacktes und Mänteln, liegt.


An wen richtet sich dieses System?
Am besten sieht man es im Bild. Die senkrechte Achse des Oberkörpers ist leicht geneigt, der Bauch befindet sich ungefähr in der gleichen Flucht wie der Busen. Diese Methode  ist gleicher Maßen gut für kleinbusigen Frauen als auch für Frauen mit großem Busen. Die meisten Maße ergeben sich mathematisch.

 

Ein ganz wichtiger Punkt: Achten Sie bitte darauf, wie das Maß genommen wird. Man benötigt 3 Maße. Um das Rückenmaß richtig zu nehmen, sollte ein Gummiband fest auf der Taillenlinie liegen!
  1. Rückenlänge ( von der 7. Wirbel durch die Rückenmitte bis zur Taille)
  2. Taillenumfang W
  3. Oberweitenmaß (gemessen parallel zur Achse des Rückens, geneigt und nicht parallel zum Boden) B
Allgemeiner Hinweis: Damit  man es besser versteht, in welcher Reihenfolge es konstruiert wird, sollten Sie auf die Zahlenreihenfolgen achten, die im Kreis gekringelt stehen. Um besser mit Buchstaben und Bezeichnungen zurecht zu kommen, dient diese Zeichnung zur Orientierung.

Hier gehts zum Download Anleitung der japanischen Konstruktion Teil 1.
Und anbei noch 2 Beispiele was man damit schon machen kann. Die Basis ist unterlegt und die Modellierunglinien sind dicker gezeichnet. Dünne Linien,die zur Zahl führen, zeigen von wo bis wo dieses Maß gilt. Zur Vergrösserung auf das Bild klicken.

Beispiel 1 Sommertunika

Beispiel 2 Sommerkleid

Thursday, May 10, 2012

Frühstück bei Tiffany mal was anderes


Jeder kennt den Film mit Audrey Hepburn "Frühstück bei Tiffany". Und normalerweise verbindet jeder mit Holly Golightly das schwarze lange Kleid oder die kürzere Variante mit Straussfedern für die Party.
Möglicherweise  haben viele gar nicht drauf geachtet ,was für einen fantastischen Pulli sie hat!
Dieser Pullover kommt in vielen Szenen vor.


Und warum erzähle ich das?  Ich brauchte für meine Bridgitte Bardot-Hose ein vintage-Oberteil.
und was kann so gut zu dieser Hose passen wie dieser Pulli.

Glücklicherweise hatte ich sogar einen vintagen Schnitt dazu aus den 50-er. Eigentlich mehr Zufall,weil ich es nur wegen der Hose gekauft(die ist noch in der Arbeit).
Ich bin aus Spaß an der Freude den Anweisungen aus den 50-er gefolgt.
Den Kragen habe ich auf moderne Art und Weise mit Strech-Vlieseline verklebt.


Damit meine Schulterlänge sich im Laufe des Tragens nicht ausdehnt,  habe ich das Vorderteil mit Formband verklebt. Für gewöhnlich nähe ich ein Nahtband drauf (auf allen elastischen Teilen von mir).


Der Stoff an sich ist etwas dicker, es ist ein Strick-Jacquard (wolle+ viscose). Nachdem am Halsauschnitt dann der Kragen eingenäht wurde, enstand eine ziemlich dicke Stelle- es sind insgesamt 4 Schichten. Hauptteil, Ausschnittbesatz und 2 Schichten vom Kragen selbst. Damit keine Dicke stelle ensteht, macht man Abstufungen. Diese Abstufungen mache ich überall,wo mehrere Schichten aufeinander kommen. Besonders vorteilhaft ist das z.B. bei Hosen und Röcken am Bund-so entstehen keine Abdrücke von den Nahtzugaben und die Stelle wird allgemein dünner.


Die Ärmel zuerst an das Haupt dran genäht. Dann Alles in einem Rutsch zusammen.


Ich habe mir im Juli 2011 eine Hose 123 aus Burda 06/2011 zugeschnitten.

 








Eigentlich dachte ich, ich krieg sie schnell hin, aber sie wurde meinem Anspruch an die Passform einfach nicht gerecht. Also zerlegte ich sie ungefähr 50 mal bei dem Versuchen, die Passform allein durch Änderung an der Hose, und nicht am Schnittmuster, hinzukriegen. Letztendlich zerlegte ich sie in 4 Teile und schnitt nach meiner perfekten 50-er Jahre Hose die hintere Teile auf der Basis bestehende neu zu.
Es gibt aber etwas was ich gar nicht mehr ändern kann, weil ich nicht so viel Zugabe hatte und Burda hat  in diesem Schnittmuster wohl ein Problem- nämlich "Katzenbart"


Um diesen Defekt zu beheben, musste ich im Schritt am Vorderteil erweitern- und ich habe es auf den letzten Millimenter ausgereizt.

ERGÄNZUNG: sollte die Falten tiefer liegen, so solte man diese Korrektur vornehmen! Die dickere linie ist die neue Lienie.
Und das ist das Ergebnis. Interessanterweise wurde diese Hose von den Russen überhaupt kaum bemerkt und aufgegriffen, dabei gibt es kaum etwas, was sie nicht nähen und nicht zu einem Kult machen. Meine Passform hinten möchte ich nicht vorenthalten.

Eigentlich macht es wenig Sinn, meine Korrektur zu zeigen,weil sie extrem figurspezifisch ist. Ich zeige sie aber trotzdem. Den Sattel hab ich nicht nur vertieft- ich habe ihn auch erweitert.






Das höchste Lob gilt diesem Stoff, es ist ein dünner BW-stretch. Ich weiß nicht, wie dieser Stoff so viele Anproben und Änderungen überlebt hat ohne Schaden davon zu tragen. Theoretisch gehörten auch 2 richtige Knöpfe unter das Ripsband. Aber ohne Spezialvorrichtung kam mein Knopflochfuss von Bernina einfach nicht vom Fleck, egal was ich versuchst habe zu machen.
Den Ripsband selbst habe ich in 2 Reihen leicht überlappend 3 seitig aufgenäht.








Die Mittelnaht habe ich mit Formband verstärkt und 2 mal gesteppt.



Und dann hat es angefangen zu regnen... :-)