Sunday, June 17, 2012

Pattern Magic Shirt, Vol.1, P.50 von Nakamichi Tomoko

Das war die Liebe auf den ersten Blick - schön, aussergewöhnlich, verrückt mit gewissem Etwas..

Es hat aber lange gedauert, bis ich den passenden Stoff gefunden habe...So ein Modell muss mit einem passenden Stoff gewürdigt werden. Und er kam..


Das Modell kommt aus dem japanischen Konstruktionsbuch  Pattern Magic , Volumen 1 von Nakamichi Tomoko  (ist bei Amazon in eng.Sprache erhältlich)


Es ist ein gedrehtes (durchgedrehtes) Shirt. Die Drehung kommt aus bestimmter Konstruktion einerseits und Zusammenlegung der Schnittteile andererseits.
Die gesamte Konstruktion hat bei mir 20 min gedauert und das Nähen noch mal 30 min.

Bei Zusammenlegung der Teile ist es wichtig darauf zu achten, dass die Haupteile des Shitrts an der Ärmelnaht sich nicht spiegeln,wie man es vermuten würde,sondern exakt wiederholt werden. Der Winkel am Hals und auch am Saum zueinander beträgt 90°.
 
Man benötigt Jersey mit Elastan mit Stoffbreite nicht unter 1,50 m (wichtig!).
Zuschnittskizze



Das Schirt besteht im Grunde genommen aus 3 Nähten und 5 Schritte.


1. Halsausschnittkante nach innen umbügeln und absteppen /covern
2. Rückenteil mit Ärmelteil zusammen verbinden /nähen
3. Ärmelsäume umbügeln und absteppen /covern
4. Seitennähte schliessen
5. Saum umbügeln, absteppen /covern

 Hier kann man das Shirt aus allen Richtungen betrachten u.a. auch die Armfreiheit.






















Und weil es so schön war, gabs danach (was absolut untypisch für mich ist,weil ich keine Wiederholungstäterin bin) sogar noch Versionen nr.2 und nr.3.

Und WEIL so schön war, wollte Immi auch eins machen und ich habe eins für sie konstruiert.

Sunday, June 10, 2012

Regeln zur richtigen Knopfaufteilung

Es gibt kaum ein Thema, das so wichtig ist, und dennoch so vernachlässigt wird wie "Wie teile ich die Knopflöcher auf". 


Dabei ist das Thema sehr wichtig und kaum in einem Buch von A bis Z erklärt.
Denn sollte die Bluse sehr gut sitzen, kann man sie im letzten Schritt zu einem untragbarem Stück machen, wernn man die Knopflöcher falsch aufteilt. Aber woher weiß man,wie es richtig ist?
Wann schliesst man rechts auf links und wann anders rum? Wann macht man die Knopflöcher quer und wann längs? und in welchem Abstand?  Dafür gibt es Regeln.

Damenbekleidung wird immer an der Vorderseite rechts auf  links und  auf der Rückseite links auf rechts geschlossen.  In den 50-er und 60-er  hat man hinten von beiden Seiten geschlossen.

Die Knöpfe an dem Vorderteil werden immer exakt auf der Vordermitte der linken Seite platziert.
Die Art und Weise der Anordnung der Knopflöcher kann vertikal, horizontal und schräg sein.

Bei der locker sitzender Kleidung empfielt man vertikale Reihen zu machen und figurbetonten Silhouetten mit horizontaler Aufteilung zu nehmen. In Kleidungsstücken mit einer Knopfleiste macht man die Knopflöcher immer vertikal (Als Ausnahme gilt das Knopfloch auf dem Steg in einer Bluse mit Stegkragen-Es wird immer horizontal gemacht).
Die Länge des Knopfloches ist gleich dem Durchmesser des Knopfes + 2 mm wenn der Knopf  flach  ist und +6 mm, wenn der Knopf rund oder gewölbt ist.
In Kleidungsstücken mit Einreiher-Verschluss macht man  horizontale und schräge Knopflöcher exakt auf der Linie der Vordermitte + 2-4 mm Übertritt in Richtung Umbruch (das macht man um die Dicke des Knopffußes zu berücksichtigen).
Vertikale Knöpfe werden exakt auf der Vordermittel-Linie gemacht.

In Kleidungsstücken mit Zweireiherverschluss sind die Knopflöcher so angeordnet, dass sie im geschlossenen Zustand 1/2 Knopfbreite + 1-1,5cm(bei dicken Stoffen) vom Umbruch entfernt liegen.

Auf der Skizze unten wird gezeigt, wie man richtig den seitlichen Abstand zur Umbruchlinie berechnet. Dabei ist auch es wichtig die Größe der Knöpfe zu berücksichtigen.
Für Blusen                   1,5 cm
für Röcke und Kleider die bis unten geknöpft werden  2cm
für klassische Jackets   1,5cm
für Sommermäntel           2cm
für Mäntel                      2,5cm

Der Abstand bei großen und mittelgroßen Knöpfen zur Vordermitte muss  1/2 Knopfbreite + 5mm betragen. Es gibt aber auch Knöpfe die erfordern, dass 5mm unterschritten werden.

Den ersten Knopf macht man von oben aus auf der vorderen Mitte mit Abstand von der Halsausschnittkante mit  mindestens 0,5-1cm bei vertikaler Anordnung der Knopflöcher.
Bei Horizontaler Anordnung ist die erste Entfernung = 1/2 Knopf + 1 cm.


Wenn Kleidungsstücke mit einem Gürtel sind oder mit einem Rock oder einer Hose getragen werden, macht man das Knopfloch im Bereich der Taille um 1/2 Bundbreite höhe.
Ganz wichtiger Punkt ist- Knopfloch im Brustbereich
Damit es nicht passiert, dass die Bluse sich im geschlossenen Zustand im Abstand zwischen 2 Knopflöcher öffnet, macht man ein Knopfloch im Bereich der Brusthöhe (der höhste Brustpunkt) oder 1-2 cm höher. Genauso geht es im Bereich der Taille. Um den Brustbereich visuell etwas zu vergrössern, empfiehlt man das Knopfloch ein bisschen unter dem höchten Brustpunkt zu setzen.
Das gilt für alle figurbetonte Schnitte
Typisches Beispiel für falsch sitzende Knopflöcher habe ich spontan bei einem online-shop einer sehr bekannten Marke gefunden.

Bei Kleidungsstücken mit Revers-/Schalkragen usw. bestimmt man die Position des Knopfloches im Brustbereich bei der Anprobe.

Die Abstände zwischen Knopflöcher:

Blusen  und Kleider     7-8cm
Mäntel und Kittel       9-12cm


Und so wird das gemacht:

a) Kleidungstücke die nach oben geschlossen sind:
1.Erstes Knopfloch kommt laut Skizze oben in den Halsausschnittbereich
2.Zweites Knopfloch  kommt in den Brustbereich
3.Der Abstand zwischen beiden wird gemessen und gleichmäßig aufgeteilt. Allerdings unter Berücksichtung der maximal zulässigen Abstände (siehe oben)

b) Kleidungsstücke, die oben nicht geschlossen sind, wie z.b. bei Revers-/Schalkragen usw:
1. Erster Knopf im Brustbereich (laut Anprobe)
2. Zweiter Knopf 1-1,5cm unter der Taillenlinie, bei Blusen die mit einem Roch getragen werden 1-1,5cm über der Taillenlinie
3.Der Abstand zwischen beiden wird gemessen und gleichmäßig aufgeteilt. Allerdings unter Berücksichtung der maximal zulässigen Abstände (siehe oben)




Thursday, May 31, 2012

Zwangsnähpause und wie entfernt man Burda-Kopierpapier

Ich bin momentan ohne mein  zweitwichtigstes Werkzeug. Meine  Overlock-Coverlock-Maschine befindet sich in den Händen des Herstellers. Und leider weiß ich gar nicht, wann sie zurück  kommt...
Keine Panik, es ist kein Virus, was letzte Monate durch die Blogs geht :-) soviel kann ich sagen.

Also nutze ich die Zeit und schneide zu, und zu, und zu, und zu. Vermutlich sorge ich jetzt schon für zukunftige UFO's für die kommende 2 Jahre.
Aber Nähen mit Zickzack kann ich auch nicht mehr :-) Bin viel zu verwöhnt.

Nun ist es Sommerzeit und es werden fröhliche und helle Stoffe verarbeitet.
dabei  bin ich auf ein Problem gestoßen, dass Burda Kopierpapier sich nicht auswaschen lässt.



Also habe ich im Internet nach einer Lösung gesucht und musste feststellen, dass sehr viele Näherinen damit ein Problem haben, aber keine Lösung, und manche sogar lieber ein holländisches Exemplar kaufen, weil es sich entfernen lässt.
Nun kann ich jetzt mit Sicherheit sagen- Burda Kopierpapier- kein Problem!
Getestet habe ich auf einem weißen BW-Satin.
Da das Kopierpapier aus einem ölhaltigen Gemisch besteht, muss man auch mit fettlösenden Mittel dadran gehen. Ich habe 2 Mittel getestet:
1. Spülmittel
2. Gallseife
Bei beiden habe ich perfekte Ergebnisse erzielt. Alledings muss ich sagen ,dass es bei Spülmittel wesentlich schneller ging, d.h. es geschah direkt vor meinen Augen.

Saturday, May 26, 2012

Ein Garten-Ensemble ohne Garten

Ich habe endlich mein Garten-Ensemble beendet, das schon 2 Jahre auf die Fertigstellung gewartet hat.


Das Original kommt aus Burda, Modelle 102,105_ 03/2010

Warum ich so lange genäht habe kann ich nicht genau sagen- es hat sich irgendwie gezogen. Heute waren es 27°C, aber es war mir nicht mal annährend heiß-das kann ich mir nicht erklären. Der Stoff ist Jacquard/ Matelasse. Da wir zum Blumengeschäft mussten, haben wir einfach die Kamera mitgenommen.
Wie immer zeige ich zuerst die Ansichten dann kommen die Details.



 














Das Jacket habe ich wie die meisten meiner Sommersachen mit Venezia gefüttert.
Die Aussenknöpfe sind Attrappe. Das Jacket wird mit 3 Plastikknöpfen geschlossen. dabei ist der "männliche" Knopf oben auf dem "weiblichen". Bei Plastikknöpfen spielt diese Regel keine Rolle, aber gundsätzlich macht es Sinn, warum man es so macht und nicht anders.
Den ersten Knopf habe ich nicht nach Burda-Angaben gesetzt, sondern an meinem höchsten Punkt der Brust.Wenn man das nicht macht- kann es passieren, dass sich bei jeder Bewegung ein leichter Ziwschenraum öffnen.

Der Kragen besteht aus 4 Teilen. Zuerst wird Steg mit dem Kragenteil zusammen genäht, auseinander gebügelt, abgesteppt und erst dann werden die Teile des Kragens miteinander verbunden.

Die Nahtzugaben am Armloch werden mit Futter zusammengefasst und abgesteppt.


Der Saum am Besatz:

Jetzt zum Rock:
Der Rock ist ohne Taillenbund.
Zuerst wird die Stelle für den Reißverschluß vorbereitet. Vlieselineband wird aufgeklebt.

Mit RV-Nähfuss wird RV eingenäht

Um Ausdehnung der Taile zu vermeiden, wird Formband an die Stelle aufgebügelt, wo meine Naht liegen wird.

 Der Besatz wird mit dem Rock zusammen genäht.


An den Seitennähten oberhalb der Taillennaht werden Zugaben schräg abgeschnitten.


Die Zugaben stuffig schneiden.

Die Nahtzugaben an der Taillennaht zusammen mit dem Besatz zusammenfassen und von recht absteppen (auf den Bilder Sicht von rechts und von linken Seite).


Futter wird wie auf dem Foto mit dichten Stichen anstaffiert.
 
Die Spitze wird auf rechte Seite angenäht.

Der Saum wird umgeschlagen und an der Spitze per Hand angenäht.
Das Futter wird mit einer Dekonaht gesäumt


Saturday, May 19, 2012

Schönheit mit Handicap



Dummerweise habe ich dieses Kleid fast sofort, nachdem die Ausgabe da war, genäht und nicht abgewartet, bis die Russen es nähen:-). Abwarten hätte sich mit Sicherheit gelohnt, denn die Russen teilen es einem immer mit, was man am Schnitt ändern muss. Die Korrektur zog sich wie ein roter Faden durch jede einzelne Ausführung. Wenn man nicht grade einen sehr großen Busen hat, muss man das Armloch in der Höhe verkleinern. Von der ersten Sekunde an wusste ich ganz genau, wie ich das Kleid sehe.


Also fuhr ich zu meinem Lieblingsladen und holte mir den BW-Satin und Seidenchiffon.
Alle nähen es in 2 Stunden. Ich habe es in Juni angefangen und irgendwann im Januar rausgeholt,um es zu beenden.
Modell 113 06/2011





Die eigentliche Ursache oder meine eigene Dummheit war, dass ich mich, statt meinem Wissen zu vertrauen,  entschieden habe, der Burda-Bebilderung zu folgen, obwohl ich Zweifel hatte.
Die Bebilderung sah so aus:
 
So hab ich noch nie ein Armloch verarbeitet und habe immer Bedenken gehabt, dass es sich verziehen würde. Aber dann dachte ich, wenn Burda so etwas  rät, wüssten sie es vielleicht  besser. Falsch gedacht! Es passierte genau das, was ich befürchtet habe - das ganze Armloch hat sich natürlich verzogen. Die andere Ursache war, dass das Armloch unheimlich groß war (es ging an der Seite fast bis zur Taille), was ich dann später als Warnhinweis bei den Russen gelesen habe.
Das Problem beim amerikanischen Armlochausschnitt liegt darin, dass man das Kleid erst anprobieren kann, wenn es fast fertig ist. Also habe ich das Kleid zerlegt, die Korrektur übertragen und neue Besätze zugeschnitten.
Den Chiffon habe ich mehrere Stunden genäht (ich glaube 3). Damit ich exakte Streifen bekomme, habe ich die Querfäden rausgezogen und danach zugeschnitten. Dabei habe ich  Stärke benutzt. Die Schichten habe ich miteinander verstürzt.

Das Armloch habe ich mit Paspelband verarbeitet.





Und so habe ich das Paspelband gemacht:
1. Armloch mit Formband verstärkt




 2. Besatz mit Vlieseline H180 verstärkt, Paspel mit Dampf in Form gebügelt


 3. Mit der ersten Naht die Paspel auf der rechten Seite mit Hilfe RV-Nähfüsschen drauf nähen

4. Die zweite Naht VOR die erste setzen, sehr dicht an das Paspelband dran nähen

5. So sieht dann die rechte Seite aus:


6. Schneiden und Anschneiden. Zuerst stufig die Nahtzugaben schneiden, dann VERSETZT (Anschnittlinien liegen nicht übereinander, sondern an jeder Schicht versetzt) anschneiden

7. Von der rechten Seite schön bügeln und die Nahtzugaben mit Besatz von rechts am Besatz absteppen





Das Kleid hat auch Taschen. Die sieht man aber nicht, nur auf diesem Foto:-)


Und natürlich bin ich in die Versuchung gekommen eine schwarz-weiß Fotoserie zu machen.
Es sieht wunderschön nach den 60-er aus, wie zur Zeit als meine Mama noch jung war:-)