Monday, August 10, 2015

Die ultimative Slouchy für ein wildes Duo

Weder ich, noch meine ganze Familie mögen Reptil-Prints.
Aber wenn man diesen erst einmal gesehen hat, ändert man seine Meinung schnell.

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Zuerst zur Hose:
Das ist einer der besten Slouchy-Schnitte überhaupt. Und das behaupte ich nicht einfach so. Genau genommen an mir und meiner leichten Birnen-Figur ist das die 4. Version dieses Schnittes, die ohne jegliche Anpassung genäht worden ist. Sogar eine Frau aus meinem Kurs mit einer sehr ausgeprägten Birne brauchte kaum Anpassung. Lob an die Schnittdirectrice der Burda!

Der Schnitt Burda 6938

Der Stoff: 100% Viscose, einer der fester und nicht dehnbar in der Schussrichtung ist.
Als ich den Stoff sah, wusste ich sofort, dass daraus eine Slouchy werden muss.
Im letzten Sommer zugeschnitten, der Sommer blieb aus, der Zuschnitt wanderte in den Schuhkarton (meine Art Projekte aufzubewahren, im Karton ist alles, was zum Projekt gehört, komplett zusammen gepackt).

Details:
3 Tunnel, oben und unten Gummiband, in der Mitte Satinband
Versteckte Nahttaschen
Als die Hose fertig war, fand ich, dass sie meine schlanken Knöchel betonen sollte, und veränderte die Hose nachträglich, indem ich das Gummiband in den Saum reinzog.
Zum Vergleich sind die Fotos nebeneinander mit vorher-nachher.


Nun braucht die Hose auch ein Oberteil.
da fiel mir spontan ein, dass ich einen wunderbaren Triton bei der gleicher Stickdesignerin vom russischen Stickforum von der Schildkröte gesehen habe.
Und was passt dazu perfekt? Das Shirt Selja von Named.
Allerdings, wenn man nach dem Originalschnitt näht, ist das Shirt viel zu lang und man bekommt nie die gleiche Silhouette wie auf dem Foto :-)
Ich habe den Schnitt deutlich kürzer gemacht und den Schlitz auch höher angesetzt.

Genäht mit Kettelnaht und Cover, nur um den Schlitz herum mit der Nähmaschine.
Der Stoff ist labberiger Viscose-Jersey aus alten Vorräten.


Ich zeige das hier zwar zum ersten Mal, trage aber schon seit Ende Juni:-)

Friday, August 7, 2015

Die Herrin des Kupferberges

Das beschreibt genau mein Tragegefühl dieses Kleides. Die Herrin des Kupferberges ist eine russische Sage. Die Herrin ist eine mythologische Göttin, sie lebt im Herzen der Ural-Gebirge in einer Kupfer-Erz-Miene und wenn sie den Menschen erscheint, erscheint sie in Gestalt einer bildschönen Frau mit geflochtenen Zöpfen aus glänzendem und klirrendem Kupfer im Kleid aus Seiden- Malachit. Sie ist die Hüterin der Bergschätze. Man ist von ihr gleichermaßen fasziniert in den Bann gezogen, als auch gefürchtet.
Es gibt unzählige künstlerische Darstellungen der Herrin, denn die Sage ist auch heute für viele Künstler eine Inspiration.
Das hier ist meine Lieblingsinterpretation.

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Malachit-Ohrringe habe ich zum Kleid auch gekauft :-) wenn schon, denn schon:-)
Die Entstehungsgeschichte ist weniger romantisch. Angefangen habe ich, glaube ich, Ende vorletzten Sommers. Inspiriert durch 2 Modelle gleichzeitig. Jedes einzelne davon hat aber seiner Mängel.

Die eigentliche Inspiration kam durch eine Russin von Burda-da hat es "klick" gemacht.Aber die Silhouette erschien mir nicht weblich genug und nicht praktisch, was die "Geh-Freiheit" betriff. Daher entschied ich mich nur auf das Oberteil von dem Modell zu beschränken.
Bei dem anderem Modell schien mir der freizügige Vorderteil und Rückenteil als nicht besonders alltagstauglich. So entstand die Mischung aus dem Modell 123_05/2013  und dem Modell 116_07/2009.


Der Stoff ist schwerer, sehr dicht gewebter italienischer Seidensatin. So dicht, dass ich nur mit 60er Microtex so gerade eben noch nähen konnte.
Der Stoff lag schon etwas länger bei mir. Ich hatte leider nur 1,80m und das war viel zu wenig.

So ein bodenlanges Kleid, das im Winde weht,  hab ich mir schon seit einer Ewigkeit gewünscht. Und die Farbe schien mit perfekt zu passen. Ich entschied mich Seidensatin unifarben dazu zu kaufen und den unteren Teil notgedrungen quer zuzuschneiden. Ich versuche DAS immer (immer!!) zu meiden, aber diesmal ging es einfach nicht anders. Das hat sich sofort gerächt! Abgesehen davon, dass der Stoff sich beim Schließen der Seitennähten  ganz anders verhielt, hat er am Rock allgemein einen ganz anderen Fall.
Aber einen neuen Stoff zu kaufen kam einfach nicht in Frage.

Eigentlich blieb nur die Stelle am RV- ich wollte die Overlocknaht am RV nicht haben- es sieht so unpassend an der Seide aus...ich wollte eigentlich nur RV mit Schrägband aus Futter einfassen, so:
Aber dann gefiel mit nicht wie die Raffungen an den Cups liegen- es war viel zu viel Stoff , der auch irgendwie nicht geordnet fallen konnte. Ich trennte alles vorne auf und machte zwei Tage lang nichts anderes als Drappierungen, die dann durch Raffungen stramm gespannt wurden. Es kam noch eine Menge vom Oberstoff weg. Und so sieht es jetzt aus.


Die Seide ist bei diesen herrschenden Temperaturen wunderbar kühlend und luftig. Aufgrund ihrer Webung knittert das Kleid so gut wie absolut nicht.
Die Bewegung der Seide ist herrlich. Auf manchen Bilder sieht es aus wie im Lauf auf den Catwalks. Seht selbst:-)




Um nochmal auf die Herrin des Kupferberges zurück zu kommen- Egal wo ich mich bewege, ziehe ich die Menschen mit dem Kleid in meinem Bann - Ungewiss, ob es an der Länge des Kleides, oder der Farbe liegt.

Sunday, July 26, 2015

Teil 2: Kompromiss

In erster Linie möchte ich mich ausdrücklich für eure zahlreichen und wertvollen Kommentare bedanken!
Mir ist aufgefallen, dass viele mit Problem konfrontiert sind sich eingeschränkt zu fühlen, sobald sie sich entscheiden alltagstaugliche Kleidung anzufertigen. Aber sich von den schmucken Schrankleichen abzuwenden muss nicht heißen, dass man auf komplexe Techniken und Anspruch verzichten muss!

Heute möchte ich eine Ausnahme (normalerweise zeig ich alles erst wenn es fertig ist, und dann an mir) machen und eine der möglichen Lösungen dafür zeigen, wie man Nähtechniken + Schnitte + Mode + Tauglichkeit verbindet.
Ich frage mich die ganze Zeit: Kann man denn die Techniken, die man kennen lernen möchte, auch an alltagtauglicher Kleidung ausüben? Meine persönliche Antwort darauf ist "aber JA"!

Hier ist mein Beispiel.
Eigentlich wollte ich ein Chanel-Jackett mit  einer Haute Couture Methode (d.h. komplett per Hand) nähen, vor allem per Hand das Futter durchsteppen.
Da ich aber ganz dringend ein Jackett gebraucht habe und mir dachte, dass ich das ganz schnell hinbekommen könnte, beschloss ich, dass ich semi-Haute Couture  daraus mache.
Ich nahm einen Burdaschnitt dafür, den ich noch gar nicht kannte. Der Stoff lag bei mir schon bereits länger vorrätig und wartete auf seinen großen Auftritt. Ich beschloss keine Steppung zu machen, dafür aber eine japanische Methode des Futterannähens bei den Ärmeln anzuwenden.
Gleichzeitig wollte ich dennoch die Chanel-Methode des Einsetzens der Ärmel ausprobieren.
Als das Jackett fertig war, fand ich es zu nackig und machte die Borte nach Burda-Anleitung.
Als Die Borte angesteckt war, fand ich sie 'too much'. Mit weniger Borte sah das wieder nackig aus.
Ich reduzierte den Verlauf der Borte und beschloss Haute Couture hinzufügen, indem ich mehrere Wochen lang die Perlen nach damals frisch erworbenen Kenntnissen angebracht habe.
Für die,die neugierig sind
habe ich die Vielfalt der benutzten Perlen fotografiert.



























Eine Kette innerhalb des Jacketts  musste ich letztendlich auch anbringen, weil sie da nicht für die Schönheit gedacht ist, sondern als Balance zu dem Gewicht der Perlen.
Leider kein Foto erstmal.

Und eigentlich ist das Jackett für meine heiß geliebte Boyfriend-Jeans, die ich mit einem weißen T-Shirt tragen möchte, genau wie hier
Meine Meinung nach man muss sich gar nicht entscheiden. Man kann die simpelsten Schnitte aufwendig verarbeiten, Haute Couture zusammennähen, per Hand beschmücken und dennoch im Alltag tragen.
Wenn ich mich für tragbare Kleidung entscheide, die ich nähe, muss ich auf nichts verzichten.

 Oder seht ihr das anders?

Friday, July 24, 2015

Nähen: Nutzen kontra Zeitvertreib

Ich möchte mit diesem Post zum Nachdenken anregen...
Bei mir war das ein jahrelanger Prozess bis ich begriffen habe, was ich eigentlich nähen soll.

Vor einigen Jahren stand ich mit meiner Bekannten im Stoffladen und wir sprachen darüber, was sie und ich nähen sollten, bzw, wollten. Sie sagte mir "Wo willst du das dann tragen und vor allem wann?" Sie hat schon lange damit aufgehört alles zu nähen was ihr gefiel, sondern sie näht nur das, was zu ihrem Leben passt.

Viele Hobbyschneiderinen nähen alles, wozu sie Lust haben bis klar wird, dass sie letztendlich immer zu den selben 2-3 Teilen greifen und alle restlichen Kleider ungetragen bleiben.
Zum einem haben viele das Problem, dass sie einfach ein bestimmtes Modell nähen oder haben wollen.
Mit der Zeit stellen die meisten jedoch fest, dass sie dutzende Teile im Schrank haben, aber nichts,was zusammen passt. Dabei  ist  das Farbproblem das kleinste Übel. Meist haben die Teile  verschiedene Stile und können somit nicht miteinander kombiniert werden. Sie füllen lediglich Schränke. Sie sind schön, neu und man kann sie unmöglich weggeben, geschweige denn wegwerfen - schließlich haben wir sie mühsam und liebevoll in Handarbeit angefertigt.

Vielleicht ist manchen aufgefallen, dass ich aufgehört habe Vintage zu nähen?
Es liegt nicht daran, dass ich Vintage nicht mehr mag.
Meine Feststellung in diesen Hinsicht war, dass Vntage nicht in mein Leben passt.
Ich möchte keine Schrankleichen mehr!
Mein Leben bietet kaum Gelegenheiten, um Vintage-Kleidung zu tragen.

Irgendwann hab ich eine Analyse meiner Projekte gemacht:
Ich ging durch meine Gallerie der Projekte und machte zu allen Modellen Bemerkungen, wie oft ich diese getragen habe. Man bekommt ziemlich schnell ein klares Bild davon was geht und was nicht.
Somit habe ich festgestellt, dass ich mit Ausnahme von ein Paar Sommerkleider, gar keine Kleider brauche. In meinem Alltag haben sich die Hose und Jeans bestens bewährt und durchgesetzt. Die beste Garnitur dazu sind Blusen- bequem, praktisch und sehen immer  gut aus, besser als Shirts aus Jersey. Blusen machen immer einen gepflegteren Eindruck.

In meinen Kursen versuche ich den Teilnehmerinnen oft "Kleider nähen" auszureden, wenn ich sehe, dass sie eigentlich nie ein Kleid anhatten! Ich predige immer die Kleidung zu nähen, die zu deren Lebenstil passt.

Man könnte ab und zu (so sagen's die Russen) "für die Seele" etwas  Schönes, "unpraktisches"  nähen. Man würde damit auch keinen Schaden anrichten, indem der Schrank damit vollgestopft wird,weil es eher eine Ausnahme sein wird.

Auch der Stress alles nähen zu wollen, was einem gefällt, geht dann weg, wenn die Nähpläne objektiv nach Tauglichkeit analysiert.

Und nun...
wie realistisch ist eure genähte Garderobe?