Sunday, August 16, 2015

Nicht - Chanel - Jackett

...oder das langsamste Blitzprojekt der Welt...
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Ich weiß nicht unter welcher Anflut des Wahnsinns ich auf die Idee gekommen bin, dass ich über's WE ein Jackett nähen könnte, aber es schien mir irgendwie sehr realistisch...
(Im Großen und Ganzen war ich etwas über einem halben Jahr damit beschäftigt-mehrere Wochen genäht, dann überlegt und experimentiert, wie ich das mit der Borte schmücke und noch 1 Monat abends gestickt. Die Schwierigkeit mit der Borte lag zu einem in der Vermeidung alles zu überladen und zum anderen in dem U-Boat-Ausschnitt. Ein klassisches Chanel-Jackett mit Borten sieht einen runden Halsauschnitt vor)

Gedacht- getan, ich begab mich an die Arbeit.
Schnell eine Nesselprobe erstellt, minimal im Rücken angepasst. Der Stoff ist zwar reine Seide (100%), sieht aber aus, als ob es 100% reine Wolle wäre.
Innenfutter (von mir heiß geliebtes) Venezia, weil's schimmert.
Der Schnitt ist Burda 7303.
Ich betone hier es noch einmal, dass es technisch gesehen kein Chanel-Jackett ist.
Mein Ziel war es eigentlich schnell ein Jackett für den Alltag zu nähen, Chanel kriegt man nicht schnell hin, denn das Nähen des Ärmels allein dauert schon 17h (mit Stopp-Uhr gemessen).

Zu meiner Inspiration dienten 2 Bilder (Desigual und Hush):
Bitte beachtet, dass ich während der Aufnahmen unterschiedliche Hosen und unterschiedliche Schuhe trage:-)

Die Entstehung haben viele von euch schon bestimmt hier gesehen, deswegen zeige ich in diesem Post das, was ich vorher noch nicht gezeigt habe.
Das Jackett ist komplett vollflächig beklebt mit einer flexiblen Einlage. Zusätzlich sind Bereiche um das Armloch herum und die Ärmelkugel mit nicht flexibler Einlage verstärkt.
Hier kann man es etwas sehen.
Die Strecken, an den ich klare Kanten gebraucht habe, habe ich ebenfalls mit geradem Lauf zugeschnittenen und die Streifen der festen Einlage verstärkt. Hier kann man auch ein Stückchen sehen.
Als Ergebnis hat man gestochen scharfe Säume.

Ich muss noch mal die Bedeutung von dieser Art des Futtereinnähens verdeutlichen und unterstreichen. Indem ich das Futter an den Nahtzugaben dynamisch befestige, ermögliche ich mir uneingeschränkte Armbewegung, kein Verrutschen, nichts stört oder zwickt oder kommt ungünstig raus.
Die Kette am Saum ist kein Schmuck, sondern dient dem Zweck eine gewisse Balance gegenüber dem Gewicht der Perlen herzustellen.

Und so hab ich die Borte gemacht:

1. Man schneidet zwei gleich breite Streifen zu.
Bei der einer Borte legt man eine kleine Zickzacknaht 1 cm von der äußeren Kante entfernt an, bei der anderen 1,5 cm von der Kante entfernt.
 2. In diesem Schritt werden alle Längsfäden bis zur Zickzacknaht rausgezogen.
3. Die Borten werden  Kantenbündig aufeinander gelegt und mit Stecknadeln fixiert.
 
4. Jetzt steppt man mit einem Gradstich exakt durch die Mitte und verbindet somit beide Borten miteinander.
 5.Der Innenraum wird mit Perlen bestickt und die fertig bestickte Borte an das Jackett anstaffiert.
 Alle meine Teilungsnähte, Ellbogen und vor allem Ärmelkugeln habe ich mit meinem unverzichtbarem Tailorboard gemacht. Es ermöglicht wunderbar in Form zu bügeln (dazu  dann später ein Extrapost). Ein Tailorboard ist für mich absolut unverzichtbar bei jedem Stück, was ich nähe. Für die, die das nicht kennen, es sieht so aus:
Und so sieht dann die Ärmelkugel aus, die damit in Form gebracht wurde:

 

Und jetzt bleiben nur die Tragefotos, für die ihr euch so lange gedulden musstet :-)

Monday, August 10, 2015

Die ultimative Slouchy für ein wildes Duo

Weder ich, noch meine ganze Familie mögen Reptil-Prints.
Aber wenn man diesen erst einmal gesehen hat, ändert man seine Meinung schnell.

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Zuerst zur Hose:
Das ist einer der besten Slouchy-Schnitte überhaupt. Und das behaupte ich nicht einfach so. Genau genommen an mir und meiner leichten Birnen-Figur ist das die 4. Version dieses Schnittes, die ohne jegliche Anpassung genäht worden ist. Sogar eine Frau aus meinem Kurs mit einer sehr ausgeprägten Birne brauchte kaum Anpassung. Lob an die Schnittdirectrice der Burda!

Der Schnitt Burda 6938

Der Stoff: 100% Viscose, einer der fester und nicht dehnbar in der Schussrichtung ist.
Als ich den Stoff sah, wusste ich sofort, dass daraus eine Slouchy werden muss.
Im letzten Sommer zugeschnitten, der Sommer blieb aus, der Zuschnitt wanderte in den Schuhkarton (meine Art Projekte aufzubewahren, im Karton ist alles, was zum Projekt gehört, komplett zusammen gepackt).

Details:
3 Tunnel, oben und unten Gummiband, in der Mitte Satinband
Versteckte Nahttaschen
Als die Hose fertig war, fand ich, dass sie meine schlanken Knöchel betonen sollte, und veränderte die Hose nachträglich, indem ich das Gummiband in den Saum reinzog.
Zum Vergleich sind die Fotos nebeneinander mit vorher-nachher.


Nun braucht die Hose auch ein Oberteil.
da fiel mir spontan ein, dass ich einen wunderbaren Triton bei der gleicher Stickdesignerin vom russischen Stickforum von der Schildkröte gesehen habe.
Und was passt dazu perfekt? Das Shirt Selja von Named.
Allerdings, wenn man nach dem Originalschnitt näht, ist das Shirt viel zu lang und man bekommt nie die gleiche Silhouette wie auf dem Foto :-)
Ich habe den Schnitt deutlich kürzer gemacht und den Schlitz auch höher angesetzt.

Genäht mit Kettelnaht und Cover, nur um den Schlitz herum mit der Nähmaschine.
Der Stoff ist labberiger Viscose-Jersey aus alten Vorräten.


Ich zeige das hier zwar zum ersten Mal, trage aber schon seit Ende Juni:-)

Friday, August 7, 2015

Die Herrin des Kupferberges

Das beschreibt genau mein Tragegefühl dieses Kleides. Die Herrin des Kupferberges ist eine russische Sage. Die Herrin ist eine mythologische Göttin, sie lebt im Herzen der Ural-Gebirge in einer Kupfer-Erz-Miene und wenn sie den Menschen erscheint, erscheint sie in Gestalt einer bildschönen Frau mit geflochtenen Zöpfen aus glänzendem und klirrendem Kupfer im Kleid aus Seiden- Malachit. Sie ist die Hüterin der Bergschätze. Man ist von ihr gleichermaßen fasziniert in den Bann gezogen, als auch gefürchtet.
Es gibt unzählige künstlerische Darstellungen der Herrin, denn die Sage ist auch heute für viele Künstler eine Inspiration.
Das hier ist meine Lieblingsinterpretation.

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Malachit-Ohrringe habe ich zum Kleid auch gekauft :-) wenn schon, denn schon:-)
Die Entstehungsgeschichte ist weniger romantisch. Angefangen habe ich, glaube ich, Ende vorletzten Sommers. Inspiriert durch 2 Modelle gleichzeitig. Jedes einzelne davon hat aber seiner Mängel.

Die eigentliche Inspiration kam durch eine Russin von Burda-da hat es "klick" gemacht.Aber die Silhouette erschien mir nicht weblich genug und nicht praktisch, was die "Geh-Freiheit" betriff. Daher entschied ich mich nur auf das Oberteil von dem Modell zu beschränken.
Bei dem anderem Modell schien mir der freizügige Vorderteil und Rückenteil als nicht besonders alltagstauglich. So entstand die Mischung aus dem Modell 123_05/2013  und dem Modell 116_07/2009.


Der Stoff ist schwerer, sehr dicht gewebter italienischer Seidensatin. So dicht, dass ich nur mit 60er Microtex so gerade eben noch nähen konnte.
Der Stoff lag schon etwas länger bei mir. Ich hatte leider nur 1,80m und das war viel zu wenig.

So ein bodenlanges Kleid, das im Winde weht,  hab ich mir schon seit einer Ewigkeit gewünscht. Und die Farbe schien mit perfekt zu passen. Ich entschied mich Seidensatin unifarben dazu zu kaufen und den unteren Teil notgedrungen quer zuzuschneiden. Ich versuche DAS immer (immer!!) zu meiden, aber diesmal ging es einfach nicht anders. Das hat sich sofort gerächt! Abgesehen davon, dass der Stoff sich beim Schließen der Seitennähten  ganz anders verhielt, hat er am Rock allgemein einen ganz anderen Fall.
Aber einen neuen Stoff zu kaufen kam einfach nicht in Frage.

Eigentlich blieb nur die Stelle am RV- ich wollte die Overlocknaht am RV nicht haben- es sieht so unpassend an der Seide aus...ich wollte eigentlich nur RV mit Schrägband aus Futter einfassen, so:
Aber dann gefiel mit nicht wie die Raffungen an den Cups liegen- es war viel zu viel Stoff , der auch irgendwie nicht geordnet fallen konnte. Ich trennte alles vorne auf und machte zwei Tage lang nichts anderes als Drappierungen, die dann durch Raffungen stramm gespannt wurden. Es kam noch eine Menge vom Oberstoff weg. Und so sieht es jetzt aus.


Die Seide ist bei diesen herrschenden Temperaturen wunderbar kühlend und luftig. Aufgrund ihrer Webung knittert das Kleid so gut wie absolut nicht.
Die Bewegung der Seide ist herrlich. Auf manchen Bilder sieht es aus wie im Lauf auf den Catwalks. Seht selbst:-)




Um nochmal auf die Herrin des Kupferberges zurück zu kommen- Egal wo ich mich bewege, ziehe ich die Menschen mit dem Kleid in meinem Bann - Ungewiss, ob es an der Länge des Kleides, oder der Farbe liegt.